Tage des Lesens

Queer gelesen – die Presseschau im April 2018

Notizzettel und ein Bleistift

Mit dem Start der Regalreise möchte ich auf eine Tradition nicht verzichten, die ich einst als Krimiblogger mit viel Aufwand gepflegt habe: die Presseschau. Queere Literatur hat es, so ist mein Eindruck, in diesen Zeiten schwerer, überhaupt wahrgenommen zu werden. Einerseits veröffentlichen mittlerweile auch große Publikumsverlage Bücher, die schwule, lesbische oder transgender Motive aufweisen, andererseits haben es diese Bücher in der zunehmenden Flut der Neuerscheinungen schwerer, Leserinnen und Leser zu erreichen. Und wer meine Krimi-Depeschen kennt, der wird wissen, dass ich mein Augenmerk vor allem auf die angloamerikanische Literatur richten werde. Nicht ganz uneigennützig: Denn so merke ich mich Titel, die auf meinen Bücherstapel kommen könnten/sollten.

Um den zeitlichen Aufwand für mich überschaubar zu halten, werde ich die Presseschau zunächst in einem monatlichen Rhythmus veröffentlichen. Im Laufe des Monats sammele ich die Artikel, die mir auf den Bildschirm gekommen sind und stelle die Links dann hier als Digest ins Blog. Und natürlich könnt Ihr mich über lesenswerte Kritiken, Interviews oder Porträts informieren – sachdienliche Hinweise bitte gerne als E-Mail

Wer es lieber quick & dirty mag, dem empfehle ich mein Flipboard-Magazin The Queer Bookshelf

Genug der Einleitung – hier ist die Presseschau für den April 2018.

Lambda Literary Award: Die Preisverleihung, die im Juni 2018 in New York stattfindet, wirft ihre Schatten voraus. Neben den Nominierungen für die »Lammys« wurde jetzt bekannt, dass die US-amerikanischen Autoren Edmund White und Roxane Gay mit Ehrenpreisen ausgezeichnet werden. Edmund White erhält den Lambda’s Visionary Award, Roxane Gay wird mit dem Trustee Award ausgezeichnet. Sehr schön!

Patrick Nathan »Some Hell«: Einige Aufmerksamkeit hat in den USA der Debütroman »Some Hell« von Patrick Nathan erhalten. Erzählt wird die Geschichte des jungen Colin, der nach dem Selbstmord seines Vaters, die sich auflösende Familie zusammenhalten will und zugleich mit seinem Coming Out kämpft. Es finden sich unter anderem Kritiken bei Kirkus Review, The Los Angeles Times, Lambda Literary, Open Letter Reviews, MPR News und bei Star Tribune. Ein längeres Interview mit Patrick Nathan findet sich bei YouTube

Pulitzer-Preis für Andrew Sean Greer: Eine erfreuliche Meldung erreicht mich Mitte April: Der US-amerikanische Autor Andrew Sean Greer erhält den diesjährigen Pulitzer-Preis in der Kategorie »Fiction«. Ausgezeichnet wird sein Roman »Less«, der kürzlich auch in der deutschen Übersetzung »Mister Weniger« veröffentlicht wurde. Reaktionen und Kritiken im deutschsprachigen Feuilleton finden sich unter anderem bei Deutschlandradio Kultur, Queer.de, Ruhrnachrichten.de und taz.de
Ein Interview mit dem Programmleiter des S. Fischer-Verlages, Hans-Jürgen Balmes, findet sich bei Deutschlandradio Kultur. Bei S. Fischer ist die deutsche Übersetzung erschienen. 

Uzodinma Iweala »Speak No Evil«: Anfang März 2018 erschien das dritte Buch des Schriftstellers und Arztes Uzodinma Iweala. Iweala wurde auch in Deutschland bekannt, als Roman »Beast of No Nation« (dt.: »Du sollst Bestie sein!«) über einen westafrikanischen Kindersoldaten erschien. 
In »Speak No Evil« wird die Coming-Out-Geschichte des jungen Niru erzählt, der in einer wohlhabenden Familie in Washington DC aufgewachsen ist. Hoch talentiert soll er in Harvard studieren, doch dann entdeckt sein nigerianischer Vater, dass sein Sohn schwul ist. Es finden sich Kritiken bei The Guardian (I), The Guardian (II) The New Yorker, The Globe and Mail, The Post and Courier, The Boston Globe und The New York Times.
Bei BBC Radio 4 gibt es ein Interview mit Uzodinma Iweala.

Alexander Chee »How to Write an Autobiographical Novel«: Der US-amerikanische Autor Alexander Chee dürfte hierzulande recht unbekannt sein. Jetzt hat der Autor, der mit »Edingburgh« und »The Queen of the Night« bislang zwei Romane veröffentlicht hat, einen Band mit autobiographischen Essays veröffentlicht. Zu »How to Write an Autobiographical Novel« finden sich Kritiken bei der Washington Post, NPR und The Boston Globe.
Aktuelle Interviews mit Alexander Chee gibt es bei The Interview Magazine und bei The Los Angeles Times

Portrait Hanya Yanagihara: Im vergangen Jahr fand die deutsche Übersetzung des Romans »A Little Life« (»Ein wenig Leben«) von Hanya Yanagihara ein breites Echo im Feuilleton. Jetzt ist ein längeres Portrait über die Autorin und Journalistin beim Guardian erschienen. 

Rückschau: In seinem Essay »How the Early ’80s Changed Gay Writing Forever« schaut Michael Cunningham zurück auf die Geschichte der queeren Literatur in den 1980er Jahren. Zu finden ist der Text bei der New York Times.

Soweit für den Moment. Ich wünsche Euch einen lesereichen Mai. Für mich stehen in diesem Monat vor allem die nominierten Bücher für den »Lammy« in der Kategorie »Gay Fiction« auf der Leseliste. 

Wir lesen uns!

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