Notizzettel in Büchern

Queer gelesen – die Presseschau im Mai 2018

Der Mai hat seinem Beinamen »Wonnemonat« durchaus Ehre gemacht. Es waren sonnige Tage und so gibt es auch ein paar erfreuliche Meldungen aus der Welt der queeren Literatur. Gute Nachrichten kommen aus der deutschen Verlagslandschaft, ein US-amerikanischer Autor war zu Besuch und der Geburtstag eines schwulen Vorkämpfers wurde ausgiebig gefeiert. 

Nachdenklicher stimmt ein Text über die Vorliebe von manchen schwulen Männern zu Uniformen und ihre Nähe zu Faschisten. Schließlich – und das ist für eine digitale Presseschau zum Nachteil – hat auch die DSGVO zugeschlagen. Durch die Verordnung haben leider einige US-amerikanische Medienhäuser, wie etwas die Los Angeles Times oder die Chicago Tribune, den Zugang zu ihren Online-Angeboten für Leserinnen und Leser aus Europa gesperrt. Damn shit! Was vom Monat übrig blieb – hier ist die Presseschau.

Aus dem deutschsprachigen Raum

Paul Russell: Anfang Mai war der US-amerikanische Autor Paul Russell auf Lesereise. Russell hat mehrere Romane veröffentlicht, darunter die literarisch-fiktionale Biographie von Sergey Nabokov, dem schwulen Bruder von Vladimir Nabokov, die bereits 2011 unter dem Titel »The Unreal Life of Sergey Nabokov« (dt.: »Das unwirkliche Leben des Sergej Nabokow«, 2017) erschienen ist. Aktuell liegt sein Roman »Immaculate Blue« (2015) in der deutschen Übersetzung »Über den Wolken« vor. Christian Knuth hat sich für blu.fm mit dem Schriftsteller über dessen Beziehung zu Deutschland und seine Zusammenarbeit mit dem Männerschwarm-Verlag unterhalten. 

150. Geburtstag: Fabian Federl erinnert beim Tagesspiegel an den Begründer der modernen Sexualforschung, Magnus Hirschfeld. Weitere Beiträge zu dessen 150. Geburtstag finden sich bei der Süddeutschen, bei Deutschlandfunk Kultur, der TAZ und im Mannschafts-Magazin.

Zusammenarbeit von Albino und Männerschwarm: Nach der Insolvenz des schwulen Medienhauses Bruno Gmünder wollen der Albino-Verlag und der Männerschwarm-Verlag enger zusammenarbeiten. Die entsprechende Pressemitteilung findet sich beim Buchmarkt

Kurz vorgestellt: Der Main-Verlag, der sich selbst als Verlag für queere Literatur bezeichnet, stellt sich beim Börsenblatt vor. 

Aus dem englischsprachigen Raum 

Longread – Schwuler Männlichkeitswahn und die Nähe zu Faschisten: Die Vorliebe mancher schwuler Männer für Uniformen – woher kommt sie? In seinem Essay »A Thing for Men in Uniform« geht James Kirchick dieser Frage nach und nimmt dabei die Nähe von schwulen Machos zu Faschisten und Nazis unter die Lupe. Ausführlich widmet er sich dabei dem japanischen Schriftsteller Yukio Mishima. Sein lesenswerter, historischer Abriss vom Männerbund über Mishima bis hin zu zeitgenössischen Alt-Right-Typen wie Jack Donovan findet sich bei The New York Review of Books

Richard Peck ist tot: Bei uns sind nur wenige Bücher von Richard Peck in deutscher Übersetzung erschienen. Der Lehrer und Autor von zahlreichen Jugendbüchern und Romanen, dessen wohl persönlichstes Buch »The Best Man« 2016 in den USA erschienen ist, erlag Ende Mai einem Nierenleiden. Ein Nachruf auf ihn findet sich bei der New York Times

Alan Hollinghurst: Im März erschien in den USA der neuste Roman des britischen Schriftstellers Alan Hollinghurst. »The Sparsholt Affair« erzählt die Geschichte des charismatischen David Sparsholt und des introvertierten Evert Dax, die sich während des Zweiten Weltkriegs in Oxford kennenlernen.  Kritiken zum Buch finden sich unter anderem bei der New York Times (I), New York Times (II), The New Yorker,  The Globe and Mail, The San Francisco Chronicle, NPR, The Seattle Times

Da der Roman in seinem Heimatland Großbritannien bereits im Herbst letzten Jahres veröffentlicht wurde, finden sich in der britischen Presse etwas ältere Kritiken: The Guardian (I), The Guardian (II), The Independent, Financial Times

»How Alan Hollinghurst helped make ‘Gay Literature‘ Mainstream« lautet der Titel einer Würdigung durch den Kolumnisten James Kirchick, die bei The Daily Beast zu finden ist. 

Soweit für den Moment. Der Juni wird sicher lesereich bleiben – wer quick & dirty informiert werden möchte, schaut einfach bei The Queer Bookshelf vorbei, dort sammele ich die Beiträge über den ganzen Monat verteilt. 

Wir lesen uns!

P.S.: Ein wenig traurig stimmt es mich, dass die Anfang Mai erschienene Übersetzung von John Boynes Roman »The Heart’s Invisible Furies« – auf Deutsch »Cyril Avery« bislang kaum Kritiken im deutschsprachigen Feuilleton erhalten hat. Daher hier noch einmal eine ausdrückliche Empfehlung für das Buch. 

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